Neugierde wirkt Völlerei entgegen

Genuss beim Essen wird oft missverstanden als Schlemmen, sich gehen lassen, sich nicht kontrollieren können.
«Essen ist ein Bedürfnis, Geniessen ist eine Kunst», so hat es einmal F. de la Rochefoucauld formuliert.
Doch was ist mit echtem Geniessen gemeint? Darunter versteht man positive Sinnesempfindungen, die mit körperlichem Wohlbefinden verbunden sind. Essen ist ein ideales Mittel zum Geniessen, weil dabei alle Sinnesorgane beteiligt sind. Erlebnisse, die zum genussvollen Empfinden führen sind sehr persönlich und bei jedem Menschen anders. Übermässiges Essen und Genuss schliessen sich aus, weil dies nicht mehr mit Wohlbefinden einher geht. Wenn ein Übermass an Geschmacksreizen vorliegt, wird es schwierig echten Genuss zu erleben.
Für manche Menschen ist es oft schwierig im passenden Moment aufzuhören. Es ist aber möglich dem Verlangen ohne echten Hunger durch eine achtsame Neugierde entgegenzuwirken. Ein freundliches Erforschen hilft die eigentlichen Bedürfnisse erkennen.
Statt die Freude in der Menge zu finden, lässt sich Zufriedenheit und Sättigung über eine achtsame Wahrnehmung erreichen. Geniessen hat somit etwas mit erkunden und probieren zu tun.


Wenn du dich neugierig für die immer wieder wechselnden Geschmackserlebnisse öffnest, dabei genau hinschaust, hinschnupperst, hörst und schmeckst, bewusst kaust, die Geschmacksentfaltung beobachtest, das Aroma auf der Zunge, am Gaumen und im Rachen erforschst, lenkst du den Fokus auf die Qualität und nicht auf die Quantität. Du kannst dich bei jedem Bissen auch fragen, schmecke ich jetzt mehr oder weniger? Die Kurve der Geschmacksempfindung steigt beim Essen in der Regel an und fällt dann auch wieder ab.

Intuitiv und achtsam essen, Margreth Brühl Baselland


Das hilft nicht nur das Essen besser zu verdauen, sondern beeinflusst wesentlich das Sättigungsempfinden. Wenn wir achtsam und bewusst essen, sind wir bedeutend länger satt und zufrieden und so ganz nebenbei stärken wir unser Immunsystem.
Mehr essen heisst nicht automatisch auch mehr Geschmack, sondern im Gegenteil. Durch zeitweiligen Verzicht können wir sogar den Genuss erhöhen. Wir werden bei der nächsten Mahlzeit offener und sensibler für neue, inspirierende Sinneseindrücke sein. Enthalte ich mich vormittags kleiner Naschereien, so kann die Vorfreude auf ein Stück Schoggi am Nachmittag schon Genuss sein und die Schoggi selbst die wahre Gaumenfreude.
Auch nach körperlichen Anstrengungen können wir manches Genusserlebnis intensiver erleben. Ein Spaziergang in der Kälte wird den Genuss eines wohlschmeckenden heißen Tees erhöhen, ein heißer Sommertag wiederum den Genuss eines Eistees.



Möchtest du deine Geschmackswahrnehmung trainieren? Sprich mich an für ein genussvolle Ernährungsberatung mit allen Sinnen.

2 Antworten auf „Neugierde wirkt Völlerei entgegen“

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